4.2.2 Zeitschritt 
Bei dem Newmarkverfahren spielt die Größe des Zeitschritts
in Bezug auf die Stabilität keine entscheidende Rolle. Man kann jedoch mit einem kleineren Zeitschritt
die Konvergenz des Newmarkverfahrens verbessern.
gewählt wird, desto genauer wird das Ergebnis. Das trifft natürlich nur zu, wenn das Newmarkverfahren stabil ist, d.h. die Parameter
>= 0.5 und
>= 0.25(0.5 +
)2 gewählt worden sind (siehe Abschnitt 4.2.1). Es muss jedoch beachtet werden, dass bei einer höheren Anzahl von Inkrementen der Aufwand für die Berechnung steigt. Bei der Wahl des Zeitschritt
sind die Eigenfrequenzen des Systems von entscheidender Bedeutung. Es sind immer so viel Eigenfrequenzen vorhanden, wie viel Freiheitsgrade man hat. Bei einem System mit einem Freiheitsgrad hat man demnach eine Eigenfrequenz. Aus dieser Eigenfrequenz kann man nach (2.45) die Eigenschwingdauer berechnen und sich überlegen, wie oft man eine Eigenschwingung diskretisiert. Höhere Eigenfrequenzen bedeuten nach (2.45) kürzere Eigenschwingzeiten, und demnach muss man diese öfter diskretisieren. Bei Systemen mit mehreren Freiheitsgraden beachtet man die höchste Eigenfrequenz. Jedoch ist zu bedenken, dass bei manchen Systemen sehr hohe Eigenfrequenzen vorkommen können. Würde man diese Eigenfrequenz beachten, so bekäme man eine sehr kurze Eigenschwingzeit, die zu diskretisieren wäre. Die Folge wäre ein zu kleiner Zeitschritt , so dass der Aufwand für die Berechnung zu groß wäre. In diesem Fall richtet man sich erfahrungsgemäß nach einer kleineren Eigenfrequenz, die in dem System vorkommt.
Fortsetzung des Beispiels aus Kapitel 4.2.1
Wir berechnen die Eigenfrequenz mit (2.44)
nach (2.45) lautet die Eigenschwingzeit
Im Bild (4.5) sieht man die Lösung der exakten (schwarz) und der numerischen (rot) Lösung nach Newmark mit 13 Inkrementen im Intervall von 13 Sekunden grafisch dargestellt. Wir diskretisieren demnach eine Schwingung durch ca. vier Punkte.

(Bild 4.5)
Man sieht, dass der Zeitschritt
= 1 sec zu groß gewählt worden ist, da die numerische Lösung sehr von der exakten abweicht. Im Bild (4.6) sieht man die Abweichungen zwischen der exakten und der numerischen Lösung. Mit jedem Inkrement setzt sich der Fehler fort und vergrößert sich. Im letzten Inkrement, also bei t = 12 sec weichen die Ergebnisse extrem von einander ab. 
(Bild 4.6)
Wir wählen nun ein kleineren Zeitschritt
von 0.1 sec. Jetzt haben wir nicht mehr 13 Inkrementen sondern 130. Wir diskretisieren jetzt eine Schwingung durch ca. 43 Punkte. Dadurch wird die Rechnung aufwendiger, die numerische Lösung aber auch viel exakter. Im Bild (4.7) sehen wir kaum einen Unterschied zwischen unserem exakten und numerischem Ergebnis.
(Bild 4.7)
Im Bild (4.8) sieht man, dass sich auch hier der Fehler mit jedem Inkrement vergrößert, jedoch viel kleiner ist als im vorherigen Beispiel. So können wir mit der numerischen Näherung sehr zufrieden sein.

(Bild 4.8)
Es ist jedoch zu bemerken, dass der Fehler, der sich bei jedem Inkrement vergrößert, nicht beliebig groß werden kann, da es sich bei dem Durchschnittsbeschleunigungsverfahren um ein unbedingt stabiles Verfahren handelt. Die numerische Lösung befindet sich immer zwischen dem globalen Maximum und Minimum der exakten Lösung. Es kann auch vorkommen, dass der Fehler während der Berechnung wieder kleiner wird.
Fazit:
Die richtige Wahl des Zeitschritts
ist von entscheidender Bedeutung. Die Genauigkeit der Lösung nimmt mit kleiner werdenden Zeitschritten zu, gleichzeitig steigt der Rechenaufwand, da die Anzahl der für die Lösung erforderlichen Zeitschritte zunimmt. Deswegen sollte der Integrationszeitschritt so klein wie nötig gewählt werden, um eine ausreichende Genauigkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, jedoch so groß wie möglich, um die erforderliche Rechenzeit zu minimieren. Bei der Wahl des Zeitschritts richtet man sich nach den höchsten verwendbaren Eigenfrequenzen des Systems.